Im Frühjahr 1987 taucht der 14-jährige Song Gwi-cheol plötzlich an der Korea-Universität auf. Er ist von zu Hause aus Yeoncheon in der Provinz Gyeonggi weggelaufen, um der Gewalt seines alkoholkranken Vaters zu entkommen. Als er ziellos am Bahnhof Cheongnyangni umherirrt, trifft er zufällig auf einen gesuchten Studentenaktivisten und verbringt mit ihm eine Nacht in einem Manga-Café. Am nächsten Morgen nimmt der Student den Jungen mit zur Universität, da er ihn nicht allein lassen kann. Der Junge findet Unterschlupf im Büro der Studentenvertretung der politikwissenschaftlichen Fakultät, erhält den Spitznamen „Jeong-dori“ und bleibt dort, weil er bei den älteren Studenten eine familiäre Wärme spürt. Die Frage, die er täglich mehrmals hörte, war: „Jeong-dori, hast du schon gegessen?“. Da er nie Nein zu Essen sagen konnte, kam es vor, dass er an manchen Tagen sechs Mahlzeiten zu sich nahm. Als Jeong-dori im April 1987 an die Universität kam, befanden sich die Hochschulen aufgrund von Chun Doo-hwans „4.13-Verfassungsschutz“-Maßnahme in einer Zeit großer Unruhen. Im Juni schloss sich Jeong-dori den Studenten bei der Juni-Demokratiebewegung an. Er nahm nicht nur teil, sondern wurde zu einem festen Bestandteil der Bewegung und beteiligte sich sogar an den Protesten vor dem Bezirksamt Guro gegen den Wahlbetrug bei der Präsidentschaftswahl im Dezember 1987. Durch den Umgang mit den Aktivisten entdeckte er sein Talent für die Janggu-Trommel. Er wurde Mitglied der Nongak-Gruppe der Universität, trat bei Aufführungen auf und stand mit seiner Trommel sogar an der Spitze der Demonstrationszüge. Dies war der Anstoß für seine Ausbildung, und später wurde Jeong-dori ein Meister des Janggu-Spiels. Die Ermittler der Polizeistation Seongbuk sagten damals: „Wenn wir Jeong-dori schnappen, können wir die gesamte Organisationsstruktur der Studentenbewegung an der Korea-Universität aufdecken.“ Wie verlief das Leben von Jeong-dori? Eine Reise zurück in den Frühling 1987.